Die Swiss Hair Group in Bern – Ein Dialog für die Zukunft der Coiffeurbranche
Politische Rahmenbedingungen haben direkte Auswirkungen auf jede Branche – so auch auf die Coiffeurbranche. Regulierungen, Arbeitsverträge und wirtschaftliche Vorgaben bestimmen den Alltag von Unternehmern und Angestellten gleichermassen. Doch wie viel Mitspracherecht haben eigentlich jene, die täglich mit den Konsequenzen politischer Entscheidungen leben müssen?
Diese Frage stand im Mittelpunkt der Gespräche, die die Swiss Hair Group mit Nationalräten und politischen Entscheidungsträgern in Bern führte. Ziel war es, die aktuelle Situation der Coiffeurbranche offen darzulegen, bestehende Herausforderungen zu benennen und erste Lösungsansätze zu diskutieren.
Die zentralen Themen der Gespräche
Ein zentrales Anliegen der Swiss Hair Group ist es, Transparenz und Fairness in der Entscheidungsfindung zu gewährleisten. Besonders im Fokus stand die Einführung des neuen Gesamtarbeitsvertrags (GAV).
Viele Coiffeurgeschäfte fühlten sich nicht ausreichend in diesen Entscheidungsprozess einbezogen. Der aktuelle GAV wurde nicht durch eine branchenweite Abstimmung der betroffenen Betriebe beschlossen, sondern durch die Regionatpräsidenten des Verbandes, die die Entscheidungen auf kantonaler und regionaler Ebene mittragen. Für viele Coiffeurgeschäfte stellt sich die Frage, inwiefern ihre Interessen dabei angemessen berücksichtigt wurden und ob der Entscheidungsprozess transparenter gestaltet werden könnte.
Auch die Wettbewerbssituation in der Branche war ein zentrales Thema. Die zunehmende Zahl an Billiganbietern führt zu einem Preisverfall, der sich nicht nur auf die Umsätze der Coiffeurgeschäfte auswirkt, sondern auch auf die Löhne der Mitarbeitenden. Wenn keine fairen Rahmenbedingungen geschaffen werden, leidet langfristig nicht nur die Qualität der Dienstleistungen, sondern auch die Attraktivität des Berufs.
Ein weiterer Punkt war die fehlende politische Interessenvertretung der Coiffeurbranche. Während andere Dienstleistungsbranchen gezielt Lobbyarbeit betreiben und Einfluss auf gesetzliche Rahmenbedingungen nehmen, fehlt der Coiffeurbranche eine starke, geschlossene Stimme, die ihre Anliegen wirksam in politische Prozesse einbringt.

Die Swiss Hair Group führte am 18. Dezember 2024 wichtige Gespräche mit verschiedenen Politikern im Bundeshaus Bern.
Reaktionen und politische Einschätzungen
Die Gespräche in Bern machten deutlich, dass die Anliegen der Coiffeurbranche bisher kaum politische Aufmerksamkeit erhalten haben. Mehrere Nationalräte zeigten Interesse undsignalisierten die Bereitschaft, sich mit den bestehenden Herausforderungen näher zu befassen.
Es wurde darüber diskutiert, ob eine Interpellation (parlamentarische Anfrage) an den Bundesrat gestellt werden könnte, um mehr Klarheit über die Entscheidungsprozesse rund um den GAV zu gewinnen. Eine solche Anfrage könnte als Grundlage dienen, um mehr Transparenz in der Branche zu schaffen und einen offenen Dialog zwischen den politischen Entscheidungsträgern und den betroffenen Betrieben zu ermöglichen.
Allerdings wurde auch klar: Ohne eine gut organisierte und breit abgestützte Branchenvertretungwird es schwierig, nachhaltige politische Veränderungen zu erreichen. Politische Akteure reagieren auf strukturierten Druck – und dieser entsteht nur dann, wenn sich möglichst viele Betriebe und Fachkräfte aktiv in die Diskussion einbringen
Die nächsten Schritte der Swiss Hair Group
Die politischen Gespräche in Bern waren ein wichtiger erster Schritt, doch sie markieren erst den Anfang eines längeren Prozesses.
Die Swiss Hair Group wird ihre Vernetzung mit politischen Akteuren weiter ausbauen, um langfristig eine stärkere Interessenvertretung der Branche zu etablieren. Zudem sollen die Coiffeurgeschäfte selbst stärker informiert und vernetzt werden, um künftig mehr Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.
Besonders im Hinblick auf die bevorstehende Delegiertenversammlung am 25. Mai 2025 ist es entscheidend, dass sich möglichst viele Mitglieder aktiv beteiligen. Die Wahl bietet eine Gelegenheit, die Interessen der Branche auf Verbandsebene direkter zu vertreten und eine stärkere demokratische Legitimation für zukünftige Entscheidungen zu schaffen.
Politik ist die Kunst des Möglichen.Otto von Bismarck